Die Zeit nunmehr vorhanden ist

Weihnachtliche Vokalmusik in bedrängter Zeit

Die Zeit nunmehr vorhanden ist
Die Zeit nunmehr vorhanden ist

Wie für alle Künstlerinnen und Künstler stellt die Corona-Krise nach wie vor auch für das KlangForum Heidelberg eine besondere Herausforderung dar: Die abgesagten Projekte und Festivals führten zu einem vollständigen Einbruch der geplanten Einnahmensituation, was unsere freischaffenden Musikerinnen und Musiker hart trifft.

Gleichzeitig bietet aber jede Krise auch eine Chance: 

Heute möchten wir Ihnen daher gerne ein ganz besonderes Projekt vorstellen, das wir in dieser Krisenzeit zur Unterstützung unseres Hilfsfonds – Musiker für Musiker – entwickelt haben.

Im Projekt "Die Zeit nunmehr vorhanden ist" begegnen sich weihnachtliche Choralsätze (teils kleiner von Format, aber von der Hand großer Meister) mit italienisch und frankoflämisch beeinflusster Vokalmusik der Renaissance und werden auf ungewöhnliche Weise verbunden durch für dieses Projekt entwickelte Texte, mit denen der Philosoph Enno Rudolph einen großen Bogen von den Krisenzeiten des 17. Jahrhunderts bis zu Corona spannt.

Ein ausgewählter Kreis hauptsächlich ortsansässiger Sängerinnen und Sänger der SCHOLA HEIDELBERG hat sich dafür zur Arbeit mit Walter Nußbaum zusammengefunden und tritt in dieser Besetzung erstmalig als Ensemble in Erscheinung: die Countertenöre Franz Vitzthum und Terry Wey, der Tenor Sebastian Hübner und der Bassbariton Matthias Horn sowie die Sopranistin Dorothea Jacob.

SCHOLA HEIDELBERG concertstimmen

Sprecher: Bodo Primus

Texte: Enno Rudolph

Leitung: Walter Nußbaum

„In der Musik verschiedener Epochen, insbesondere in den Vertonungen von Texten, die den jeweiligen Zeitgeist spiegeln, begegnet seit jeher immer wieder die Betroffenheit von Kollisionen zwischen Glück und Unglück, Hoffnung und Verzweiflung, Erlösung und Verwerfung und - wie ein cantus firmus – von der Kollision zwischen Leben und Tod. Es sind die Choräle der ersten Jahrzehnte der Nachreformationszeit, für die das in besonderem Maße zutrifft. Sie spiegeln die Unruhe und den Riss wider, der die christlichen Völker - vor allem nördlich der Alpen - konfessionell spaltete und damit Konfrontationen zwischen Feind und Freund, zwischen Schrecken und Ruhe, zwischen Krieg und Frieden, von Leid und Freude auslöste. Besonders Feindschaft zwischen Reformation und Gegenreformation, - und damit auch zwischen zwei unterschiedlichen Formen des religiösen Fanatismus und seinen politischen Folgen – erwies sich als beharrlich bis in die Gegenwart. ... Zwar ging in diesem Konflikt der Geist der Reformation als Sieger hervor, aber hinter all diesen Konfrontationen spielte sich der gigantische Konflikt der Epochen ab: die Neuzeit wandte sich gegen das Mittelalter, und die Reformation geriet zwischen die Fronten. Die CD will vermeiden, die Choräle bzw. die Lieder auf die beiden Themen Corona und Weihnachten zu verteilen. Die ... ausgewählten Weihnachtslieder ... repräsentieren vielmehr die beschriebenen Konflikte genauso prägend wie die nicht weihnachtlichen. Dieser Befund aber deckt den Kontrast zwischen Corona als Signal und Exempel des Unheils auf der einen und Weihnachten als das grosse Symbol des Heils auf der anderen Seite nicht zu. ... An den Bezügen der Lieder und Choräle zum geistigen Leben der Zeit wird ihre Bedeutung für die weihnachtliche Coronazeit deutlich, und so eine Brücke zwischen damals und heute geschlagen.“ (aus: Enno Rudolph, Konzeptionstext, Mai 2020)

Die CD ist ab sofort hier bestellbar.

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Die Zeit nunmehr vorhanden ist

Kurzdokumentation