Nachruf Martin Homann
Ein Meister des hintergründigen Probenkommentars — leise Töne aus der Tiefe des Bühnenraums, mit Schlagwerk und mit feiner Zunge.
In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Martin Homann (1965-2026).
Der in München ausgebildete Schlagzeuger, ebenso profiliert auf der Barockpauke wie erfahren in den Arsenalen komplexer zeitgenössischer Musik, wurde schon vor Gründung des KlangForum unverzichtbarer Mitwirkender in Walter Nußbaums Ensembles. Auch seiner späteren Frau Parvin Niroomand sollte er in diesem Umfeld begegnen, seit mehr als zwanzig Jahren war Heidelberg Mittelpunkt seines Wirkens: als Instrumentalpädagoge, immer wieder Mitwirkender im ensemble aisthesis, und auswärts, als Mitbegründer von Ascolta in Stuttgart.
Seit 1992 war er an wichtigen und identitätsstiftenden Auftritten, Uraufführungen und Produktionen des KlangForum beteiligt, darunter Referenzeinspielungen von Helmut Lachenmanns Consolation I oder Luigi Nonos Polifonica-Monodia-Ritmica, und trat in Werkreihen wie dem Projekt Prinzhorn oder dem Projekt Sternbild: Mensch in Erscheinung, solistisch oder als langjährig eingespielter Schlagzeugpartner seines befreundeten Kollegen Boris Müller.
Martins feiner und nie verletzender Humor, seine differenzierende Neugierde und sein Sinn für konstruktive Kritik und Problemlösungen werden KollegInnen und MitspielerInnen ebenso fehlen wie seinem Publikum — im Freundes- und Familienkreis, im Probenraum und auf der Bühne.
Er war ein Meister des Hintergründigen.