Prinzhorn Festakt
Sammlung Prinzhorn
Komposition:
- Cornelius Cardew: The Great Learning, Paragraph 7 – 1969
- John Cage: ear for EAR (Antiphonies), 1983
- Robert Schumann: Die alte, gute Zeit, (Op. 55/4), 1846
- Robert Schumann: Geistervariationen, 1854
Mitwirkende:
- Carmen Buchert — Sopran
- Sebastian Hübner — Tenor
- Florian Drexel — Bass
- J. Marc Reichow — Pianist
- SCHOLA HEIDELBERG
Leitung: Ekkehard Windrich
Inklusiver Prinzhorn-Chor
Zum 25. Jubiläum der Sammlung Prinzhorn wird der Festakt von einem außergewöhnlichen musikalischen Programm begleitet, das Fragen von Teilhabe, Wahrnehmung und künstlerischer Freiheit ins Zentrum stellt. Aufgeführt werden Werke von Cornelius Cardews, John Cage, sowie Werke von Robert Schumann.
Mitwirkende sind der inklusive Prinzhorn-Chor ehemaliger Patient*innen der psychiatrischen Kliniken Heidelberg, die SCHOLA HEIDELBERG, J. Marc Reichow am Klavier sowie die Leitung von Ekkehard Windrich.
Die Entscheidung, den Festakt durch einen Chor ehemaliger Patient*innen zu rahmen, ist nicht nur ein starkes Zeichen gesellschaftlicher Inklusion, sondern greift zugleich eine zentrale Fragestellung auf, die Cornelius Cardew bereits früh radikal formulierte: Wer macht Musik – und für wen? Cardew, ausgebildeter Pianist und Cellist sowie ehemaliger Assistent Karlheinz Stockhausens, wandte sich in den 1960er-Jahren zunehmend der experimentellen und nicht-determinierten Musik zu. Mit "The Great Learning" entwickelte er 1969 ein offenes Werkkonzept, das auf kollektiver Teilnahme basiert und musikalisches Lernen als gemeinschaftlichen Prozess versteht. Die Aufführung des rein vokalen Paragraphen 7 führt dieses Prinzip weiter: Die Mitwirkenden bewegen sich im Raum, das Publikum kann sich beteiligen, und die Architektur der Sammlung Prinzhorn wird zum Schauplatz einer wandelbaren Klangprozession aus Stimmen, Perspektiven und Resonanzen.
Auch John Cage steht für ein Denken musikalischer Offenheit und Gleichwertigkeit von Klängen. In ear for EAR (Antiphonies) greift er die Tradition des Wechselgesangs auf und transformiert sie in ein offenes Geflecht individueller Atem- und Klangprozesse: Die antwortenden Stimmen folgen ausschließlich ihrem eigenen Atem, während der/die Vorsänger*in als einzige sichtbare Figur fungiert. So entsteht ein Echo-Raum, der die Sammlung Prinzhorn in ein vielschichtiges akustisches Labyrinth verwandelt.
Robert Schumann schließlich bildet den historischen und emotionalen Schlusspunkt des Programms. Als einer der bekanntesten Komponisten mit psychischer Erkrankung steht er exemplarisch für die fragile Grenze zwischen schöpferischer Intensität und psychischer Vulnerabilität. Seine letzten Werke wirken rückblickend wie ein eindringliches Zeugnis dieser Zerbrechlichkeit. Die bewegte Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Werks unterstreicht die Spannung zwischen künstlerischer Hinterlassenschaft und biografischer Krise und schlägt zugleich eine Brücke zur erinnerungskulturellen Arbeit der Sammlung Prinzhorn.
Dies ist eine geschlossene Veranstaltung.